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"Blackout Wasserversorgung"

Presseinformation vom 20.03.2019

Bedrohungen durch Hacker, Klimawandel und sonstige Ereignisse bringen Lebensader Wasserversorgung in Gefahr.

v.l.n.r.: DI Johann Wiedner, LR Ök.-Rat Johann Seitinger und Dr. Josef Klinger © Lebensressort / honorarfrei
v.l.n.r.: DI Johann Wiedner, LR Ök.-Rat Johann Seitinger und Dr. Josef Klinger
© Lebensressort / honorarfrei

Ohne Wasser wäre kein Überleben möglich. Wasser ist ein unverzichtbares Lebensmittel und der Zugang zu sauberem Wasser ein Menschenrecht. Anlässlich des alljährlichen Weltwassertages hat die Steiermark als Kernthema „Blackouts bei der Wasserversorgung" gewählt. Diese Thematik ist angesichts realistischer Bedrohungsszenarien durch kriminelle Cyberattacken und totale Stromausfälle sowie aufgrund von Naturkatastrophen in Folge des Klimawandels aktueller denn je.

Wasserversorgung: Lebensader der Steiermark

Keinesfalls ist überall in Europa, oder geschweige denn auf der ganzen Welt, Wasser so reichhaltig vorhanden wie in unserem Land. Prozentuell auf die Landesgröße gerechnet, verfügt nur die Schweiz über noch größere Reserven als Österreich. Im hochmodernen und innovativen Wasserland Steiermark versorgen Gemeinden, Wasserverbände und Genossenschaften 90 Prozent aller Steirerinnen und Steirer mit Trinkwasser durch das öffentliche Wassernetz, das über eine Länge von 20.000 Kilometer an Trinkwasserleitungen verfügt. Im Übrigen sind weitere 20.000 Kilometer an Abwasserleitungen verlegt. Zusammengerechnet entsprechen die Leitungssysteme dem Erdumfang. Die Infrastruktur rund um das steirische Trinkwasser wurde in den letzten Jahren konsequent ausgebaut und weist einen sehr hohen technischen sowie organisatorischen Standard auf. Diese Versorgungsinfrastruktur zeichnet sich durch einen außerordentlich hohen Qualitätsanspruch aus, zumal 4.000 Quellfassungen, 600 Brunnenstuben, 1.800 Wasserdepots sowie tausende Pumpen und Regler einer ständigen Kontrolle und Qualitätserhaltung zu unterziehen sind. Jahr für Jahr wird durch diese steirischen Wasserleitungen eine Gesamtmenge von 240 Mrd. Liter Wasser transportiert, wovon eine Menge von 75 Mrd. Liter Wasser für die steirischen Haushalte bereitgestellt sind. Der Rest wird in Industrieanlagen, Verarbeitungsbetrieben und touristischen Einrichtungen verwendet. Umgerechnet ergibt das einen kommunalen Wasserverbrauch pro Kopf von rund 140 Liter pro Tag. Die Verbrauchsmenge kostet dem Bürger lediglich 20 Cent pro Tag.

Zusätzlich dazu fließen nahezu 90 Mrd. Liter bestes Trinkwasser pro Jahr von der Steiermark über die Hochquellen-Leitungen nach Wien. Das heißt: Das Volumen, dass die Steirerinnen und Steirer gemeinsam mit den Wienerinnen und Wienern alljährlich konsumieren, entspricht jenem des größten steirischen Sees, dem Grundlsee.

Risiken und Bedrohung für die steirische Wasserversorgung

Die Digitalisierung macht auch vor der Wasserversorgung nicht Halt - sie bietet große Chancen, birgt aber auch zugleich Risiken. „Wenn kein Wasser aus der Leitung kommt, merken wir erst, was das bedeutet: Krankenhäuser können nicht operieren, Schulen schließen, Brände können nicht gelöscht und Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden. Bei den Bürgern entsteht rasch eine Krisenstimmung, die sie heute auch über sozialen Medien verbreiten", betont Dr. Josef Klinger, Geschäftsführer des DVGW-Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe. Die elektrisch und elektronisch-gesteuerten Pump- und Anlagensysteme erleichtern zwar die Bedienung des gesamten Systems, verfügen jedoch über eine erhebliche Gefahr bei Stromausfällen oder Cyber-Attacken. Bei längeren Stromausfällen ist die Wirkung auf Haushalte, öffentliche Gebäude, Spitäler, Hotels und Bauernhöfe gravierend. Jedoch stellt das bei Weitem nicht das einzige Risiko dar, dass die steirische Wasserversorgung bedroht. Relevante Risiken der Digitalisierung im Bereich der Wasserwirtschaft bzw. -versorgung liegen auch im Bereich der Sicherheit der Systeme, da jederzeit das Risiko eines Zugriffs von außen in Form von Hackerangriffen bzw. Cyberkriminalität besteht.

Ein weiteres Risiko für die steirische Wasserversorgung stellen der Klimawandel und die damit verbundenen Extremereignisse dar, die vielerorts Auswirkungen auf den Wasserhaushalt und dabei insbesondere auf die Trinkwasserressourcen haben. Das geänderte Niederschlagsverhalten und lange Hitzeperioden können regional zu Problemen führen. Bei knapper werdenden Wasserressourcen sorgt das hochqualitative Wassernetzwerk Steiermark für einen „innersteirischen" Wasserausgleich. Die Verfügbarkeit von Trinkwasser in ausreichender Menge ist durch zahlreiche Brunnen und Quellen steiermarkweit gewährleistet. Mit einem weiteren Ausbau des Wassernetzwerkes Steiermark wird zudem das Risiko eines Wasserdefizits bei besonderen Spitzenverbräuchen und bei Ausfällen durch Störfälle weitestgehend reduziert. Jedenfalls auch mitzudenken und zu berücksichtigen sind Bedrohungen durch Anschläge sowie Unfälle.

Bedrohungen und Risiken: „Heute schon an morgen denken!"

Die Zeit ist gekommen, in der nicht nur die Qualitätserhaltung der Quellen und Leitungssysteme von Bedeutung sind, sondern insbesondere auch die Sicherstellung der gesamten elektronisch gesteuerten technischen Infrastruktur in Bezug auf mögliche Ausfallsszenarien. Lebensressort-Landesrat Johann Seitinger dazu: „Diese Bedrohungsfelder benötigen folgende Umsetzungsmaßnahmen. Erstens, Bewusstseinsbildung. Zweitens, umfassende Risikoanalysen. Drittens, den Aufbau eines Sicherheitskonzeptes mit dem Ziel einer mindestens fünf Tage reichenden Notfallversorgung und viertens einen zeitlich sehr eng gesteckten Umsetzungsplan." Seitinger betont zudem, dass alleine solche Szenarien aufzeigen wie wichtig es ist, die Wasserversorgung in öffentlicher Hand zu behalten.

Dafür wurde den Wasserversorgern eine eigene Leitlinie „Störfallplanung Wasserversorgung" zur Verfügung gestellt. Damit sollen die negativen Auswirkungen der Risiken für die steirische Wasserversorgung vermieden bzw. reduziert werden. „Zurzeit verfügen nur rund 20 Prozent der steirischen Gemeinden über Störfallpläne. Hier gibt es Nachholbedarf und sollten daher in den nächsten Jahren zumindest alle Gemeinden und Verbände derartige Pläne erstellen und auch möglichen Blackout-Szenarien Rechnung tragen", verweist Dipl.-Ing. Johann Wiedner, Leiter der Wasserwirtschaft, Ressourcen und Nachhaltigkeit. Die große Anzahl an Wasserverbänden und -genossenschaften muss in diese Überlegungen miteinbezogen werden, indem sie hochsensible Versorgungseinheiten bzw. kritische Infrastruktur identifizieren. Weiters ist die Instandhaltung und Sicherung des Wassernetzwerks Steiermark mit seinen Anlagen und Leitungen in Zukunft verstärkt durchzuführen.

Die öffentliche Wasserversorgung ist eine entscheidende Infrastruktur für die Standortqualität von Siedlungs- und Wirtschaftsräumen, Landwirtschaft, Tourismus und vielem mehr. Bis 2050 wird eine Steigerung des Trinkwasserverbrauchs um rund 20 Prozent auf bis zu 90 Mrd. Liter pro Jahr erwartet. Dementsprechend von großer Bedeutung ist es, diese Infrastruktur durch Investitionen aus öffentlicher Hand zu sichern. Lebensressort-Landesrat Johann Seitinger abschließend: „Bei der Versorgungssicherheit und insbesondere beim Wasser dürfen wir im 21. Jahrhundert nicht den Sparstift ansetzen, sonst riskieren wir unsere hohe Lebensqualität. Die Wasserversorgung ist das zentrale Nervensystem unseres Lebens und daher braucht es auch ein neues Denken und Handeln."


 


Michael Riegelnegg, MA, Pressesprecher, Büro Landesrat Ök.-Rat Johann Seitinger, Tel. 0316-877 2638
Mobil: 0676/86662638, Mail: michael.riegelnegg@stmk.gv.at, Externe Verknüpfung www.lebensressort.steiermark.at

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